22 Aug

Dreizehn

Sind Sie abergläubisch? Fürchten Sie Freitag, den 13.?

Für mich ist die DREIZEHN eine Glückszahl.
An einem 13. bin ich das erste Mal Oma geworden, an einem Freitag, den 13. habe ich erfolgreich…
Aber das würde jetzt doch zu privat werden.

Unter dem Titel „Das Fenster gegenüber“ werden in Kürze 13 Kurzgeschichten zum Thema Allerlei Zwischen-Menschliches erscheinen.

„Das Fenster gegenüber“

Ich werde das Buch bei meiner Lesung am 28.09.2018 im „Café Grips“ vorstellen.
Die Illustrationen stammen wieder von Petra Wölfel-Schneider.
Diese Zusammenarbeit gab es bereits bei „Anna auf der Suche nach der Geduld“ und
„Die Geschichte vom Schneckenmückenpferd“.

31 Aug

Geburt eines Textes – acht für 08

Der letzte August-Tag ist gekommen und ich veröffentliche den achten Text für 08. Ich hoffe, Sie hatten/du hattest Freude beim Lesen.

Die Geburt eines Textes

Da war es wieder. Ein Windhauch, der mich streifte?

Ein Stich, als hätte mich eine Wespe erwischt, die nun ihr süßes Gift verteilt.

Es drückt und wühlt und brennt, lässt mich nicht schlafen. Etwas gerät in Bewegung.

Eine Befruchtung.

Ein zartes Küken, winzig noch. Ich spüre, wie es täglich wächst. Spüre, wie es sich aus allen Zellen meines Körpers seine Kraft zieht, so lange, bis ihm seine zweite Haut zu eng wird. Es drängt und schiebt und pocht und gibt erst Ruhe, bis ich die Tür öffne, einen Spalt nur.

Eine Geburt.

Ungeduldig zappelt es, will hinaus und gesehen werden, doch fürchte ich, dass es noch zu zerbrechlich ist und angreifbar. Darum halte ich es fest, das Kleine, Unbefleckte – mit meinem Sinn und meinen Händen streiche ich über die Haut, untersuche jede einzelne Feder. Unermüdlich.

Ein Abschied.

Wenn der Tag dann gekommen ist, trage ich es zum Wasser, setze es sanft auf und wünsche ihm eine gute Reise.

Auf dass es ein schöner Schwan wird…

Foto und Text: Astrid Reimann

22 Aug

Die Träumerin-fünf für 08

Die Träumerin

 

Ich sitze in der ersten Reihe von zehn. Näher ran an die Bühne geht nicht.

„The Spirit“ werden gleich spielen, die Band, die seit drei Monaten in unserem Nachbarschaftshaus probt. Ein Konzert in kleinem Rahmen als Dankeschön für uns Ehrenamtliche.

 

Bereits der erste Song zieht mich in seinen Bann und –

der Sänger und Gitarrist. Er ist mindestens zwei Meter groß, trägt ein rotes Bandana um seine zum Zopf gebundenen schwarzen Haare. Steht ihm gut.

Wie er lacht. Wie er beim Singen lacht. Das geht ins Herz.  Er schaut mich direkt an.

Ich sitze in der ersten Reihe und in diesem Moment verliebe ich mich.

 

Und ich habe diesen Jungen bei mir, Kevin, den Sohn einer Bekannten, der Gitarre spielt und fragen will, ob er mal zu einer Probe kommen kann.

Ja, wir würden ihn fragen, den Gitarristen mit den großen Händen, ich würde ihn fragen. Und selbstlos würde ich Kevin natürlich dann zur Probe begleiten. Meine Gedanken gleiten davon.

Und der Sänger lächelt mich an. Das kann doch kein Zufall sein.

 

Meine Freundin Ines kommt wie immer zu spät. Geräuschvoll lässt sie sich auf den Platz links neben mir fallen, den ich ihr freigehalten habe. Dann klingelt auch noch ihr Handy. Ich werfe ihr einen bösen Blick zu.

Bedauerlicherweise muss sie gleich nach dem Konzert wieder los. Ich bin nicht böse darum, denn sie ist, na ja sie sieht halt viel besser aus als ich und traut sich mehr.

 

Nach der letzten Zugabe stehe ich also mit klopfendem Herzen und dem Jungen an meiner Seite vor dem Gitarristen. Kevin spielt etwas vor. In entwickle tiefe Muttergefühle.

Ja, er kann zu einer Probe kommen. Wir dürfen kommen.

Mein rechtes Ohrläppchen glüht, wie es das immer tut, wenn ich aufgeregt bin. Was für ein Tag! Ein Hoch auf die Schmetterlinge und Flugzeuge und roten Ohren!

 

Am Mittwoch nach dem Konzert bin ich mit meiner Freundin im Café „Sorglos“ verabredet. Ob ich es ihr erzähle? Morgen ist die Probe und ich kann an nichts anderes mehr denken.

Die Schmetterlinge sind vom Bauch hoch in meinen Hals geflogen und kitzeln meine Zunge – ich muss das loswerden.

Doch als ich gerade den Mund öffne, platzt  Ines heraus:

„Ich muss dir unbedingt was sagen.“ Sie strahlt wie ein…

„Mich hat es erwischt wie schon lange nicht mehr!“

 

Es würde also werden wie immer, wir erzählen uns gegenseitig unsere neuesten Liebesabenteuer und wenn wir uns nach einer gewissen Zeit erneut treffen, trösten wir einander, weil es wohl wieder einmal der Falsche war.

 

Also frage ich nicht besonders neugierig: „Und, wer ist es?“

 

„Na der Sänger! Von Freitag. Von dem Konzert! Sein Lachen hat mich völlig wahnsinnig gemacht. Wenn ich nur daran denke. Er hat doch die ganze Zeit zu mir rübergeschaut. Das muss dir doch aufgefallen sein? –

Hallo! Hörst du mir überhaupt zu?“ fragt sie, weil ich nicht gleich antworte. Antworten kann, weil meine Schmetterlinge gerade gestorben sind.

 

„Mir?“ sage ich schließlich nach gefühlten drei Stunden. „Nein, is mir nicht aufgefallen. Ich war wohl mit meinen Gedanken woanders.“

 

„Ach du, meine liebe Träumerin!“ sagt meine Freundin und streichelt meine Hand.

Ja ich Träumerin…

07 Aug

Die Tür – eins für 08

Seine Zimmertür ist geschlossen. Sie ist bei ihm.

Die Frau weiß das.

Für einen Moment bleibt sie stehen.

‚Es ist gut, dass sie bei ihm ist’, denkt sie. Bisher gab es doch nur sie beide und ihre Liebe steht auf einem anderen Blatt.

Sie hatte doch immer gewusst, dass es eines Tages soweit sein würde. Nun ist das Mädchen bei ihm.

Sie könnte anklopfen, aber warum?

Sie ist draußen.

Nein, sie steht nur vor einer Tür. Einer neuen Lebenstür. Was wird sie damit anfangen?

Wird sie mutig genug sein, sie einfach aufzustoßen? Wird sie zögernd anklopfen, in der Hoffnung, es öffnet ihr jemand und reicht ihr die Hand? Oder lässt sie sie geschlossen und bleibt, wo sie ist?

‚Wie wird es sein für ihn?’ denkt sie. ‚Wie wird er zu ihr sein?’

Zärtlich, sehr zärtlich, da ist sie sich sicher. So wie er von ihr Zärtlichkeit erfahren hat.

Sie lächelt. Sie steht vor der geschlossenen Tür und lächelt. Es ist schön, dass er nicht allein ist.

Ihr Lächeln bleibt.

Einmal noch huscht ihr der Gedanke durch den Kopf: ‚Wenn ich doch nur bei ihm sein könnte.‚

Natürlich will sie das nicht wirklich. Sie möchte nur nicht, dass er verletzt wird.

Sie wird in dieser Nacht lange nicht einschlafen, denn zum ersten Mal übernachtet ein Mädchen bei ihrem Sohn.

Foto und Text: Astrid Reimann