Geburt eines Textes – acht für 08

Der letzte August-Tag ist gekommen und ich veröffentliche den achten Text für 08. Ich hoffe, Sie hatten/du hattest Freude beim Lesen.

Die Geburt eines Textes

Da war es wieder. Ein Windhauch, der mich streifte?

Ein Stich, als hätte mich eine Wespe erwischt, die nun ihr süßes Gift verteilt.

Es drückt und wühlt und brennt, lässt mich nicht schlafen. Etwas gerät in Bewegung.

Eine Befruchtung.

Ein zartes Küken, winzig noch. Ich spüre, wie es täglich wächst. Spüre, wie es sich aus allen Zellen meines Körpers seine Kraft zieht, so lange, bis ihm seine zweite Haut zu eng wird. Es drängt und schiebt und pocht und gibt erst Ruhe, bis ich die Tür öffne, einen Spalt nur.

Eine Geburt.

Ungeduldig zappelt es, will hinaus und gesehen werden, doch fürchte ich, dass es noch zu zerbrechlich ist und angreifbar. Darum halte ich es fest, das Kleine, Unbefleckte – mit meinem Sinn und meinen Händen streiche ich über die Haut, untersuche jede einzelne Feder. Unermüdlich.

Ein Abschied.

Wenn der Tag dann gekommen ist, trage ich es zum Wasser, setze es sanft auf und wünsche ihm eine gute Reise.

Auf dass es ein schöner Schwan wird…

Foto und Text: Astrid Reimann